Montag, 14. Februar 2011

E n t s e t z e n

Was in Österreich gegenwärtig vor sich geht, spottet jeder wohlgemeinten Satire. Das Entsetzliche daran: niemand lacht. Und selbst noch schauerlicher: es gibt auch nichts zu lachen, nur scheint dem Gutteil der Österreicher nicht deshalb die Lust am Lachen vergangen zu sein.

Während das intellektuell bedauernswerte Krone-Leserbriefe-Klientel vor den Schrecken der Islamisierung in unserer tollen Heimat warnt, wird im Land kurzerhand und ohne dass viel Staub aufgewirbelt würde die Rechtsstaatlichkeit aufgegeben und ein menschenverachtender Rechtsradikalismus etabliert. Und zwar in einer Gestalt, die mir wirklich Schrecken einjagt, zumal es mir nicht viele gleichtun.

Viele haben wohl schon davon gehört und die meisten von ihnen scheinen es unvermittelt vergessen oder zumindest für mäßig bedeutsam gehalten zu haben und doch ist das, was in diesen Tagen geschieht, außerordentlich bedeutsam: Es findet in Österreich ein Inquisitionsprozess alter Schule statt. Leider fehlen der österreichischen Justiz zur Verfolgung von Korruption, Wiederbetätigung oder Tierquälerei sowohl Geld als auch Personal. Doch zumindest zur Bekämpfung «wirklicher Gefahren» stehen scheinbar Mittel jeder Art in unbegrenzter Fülle zur Verfügung. So konnte es sich Vater Staat erlauben, ein Dutzend österreichischer Tierschützer(, die sprichwörtlich keiner Fliege etwas zuleide tun könnten) im Stile großer italienischer Mafia-Razzien in Person von jeweils zahlreichen schwer bewaffneten Polizisten einen Besuch abzustatten, die vermeintlichen Schwerverbrecher an Stuhl und Herd zu fesseln und ihre Wohnungen auf den Kopf zu stellen. Gefunden wurde selbstredend nichts. Was die Justiz natürlich nicht dazu bewegte, von weiteren absurden Aktionen Abstand zu nehmen. Vielmehr wurden nun von der CIA Anleihen genommen und die bedrohlichen Tierschützer zu wahrhaft gläsernen Menschen gemacht. Telefonate, Emails und SMS wurden abgehört, sogar eine versteckte Ermittlerin wurde in den Fall eingeschleust und heuchelte eine Freundschaft. Ergebnis der ganzen Farce: Kosten: über 4.000.000 €. Ergebnisse: 0. Doch scheinbar noch immer nicht Grund genug, den Inquisitionsprozess einzustellen.

Das Innenministerium trifft sich mit Vertretern der Pelz-Lobby und kurz darauf wird über die Tierschützer die Untersuchungshaft verhängt. Der Prozess ist voll von Unrechtmäßigkeiten und Widersprüchen.

Das Vorgehen ist willkürlich und nicht rechtsstaatlich. Diese Vorgänge müssen Angst hervorrufen und dürfen nicht ignoriert werden, wie als ob die Rechtsstaatlichkeit in Österreich ohnehin einzementiert wäre. Das ist sie nicht. So lange die Politikspitze mit der Dummheit der Bevölkerung kalkuliert und Recht behält, ist populistisches Dampfgeplauder von wegen «das Volk ist der Souverän» oder «auf das Volk hören» dämliche Heuchelei. Das sogenannte «Volk» ist scheinbar eine zähe und träge Masse, die nur Gedanken speit, die ihm suggeriert werden. «L’union fait la force», ja. Doch nur dann, wenn die Gemeinschaft auch mündig und verständig ist und sich nicht auf eine Bierzeltkultur reduziert.

Was wir hier erleben, ist ein außergewöhnlicher und böse besorgniserregender Skandal. Dass die Presse darüber schweigt, ist bedenklich. Wir dürfen es nicht tun. In einem Land, wo Rechtsradikalismus opportun und schicklich, Populismus gang und gäbe ist, bewegt sich die Rechtsstaatlichkeit ohnehin auf sehr dünnem Eis!!

Sonntag, 12. September 2010

3 (kurze) Aphorismen

Geschichte — Die Aufgabe der Geschichte ist nichts anderes, als Arznei zur Heilung und Droge zur Konservierung zu sein.

Analyse — Viele Formen der Analyse machen nichts weiter, als dass sie das Kaleidoskop wenden.

Mit Vorsicht — Unsere Demokratie ist die moralische Legitimierung der Ungerechtigkeit.

Crepúsculo

Aunque mi español es muy humilde, no deja de rodear mi alma con su semblante tan tierno y tan fuerte a la vez. Todo asunto en él tiene otra cara, otros calores, significa dejarme conducir en una selva virgen de las palabras donde no más se calcula su valor sino se lo siente...

Además hay pensamientos y sensaciones que parecen como si sólo pudieran ser escritos en español. Tal vez sin embargo sólo procure disimular carencias eventuales en el esplendor del pensamiento con el esplendor del idioma, o sea, dicho en una forma más positiva: añadir el esplendor del idioma... No estoy tan seguro...


CREPÚSCULO

Los fulmines interminables
Aquellos dulces y aquellos amaros
Hicieron irse ardiendo el calendario

En el crepúsculo sin día y fecha
Me baño en la sangre de nuestro amor muerto
Me llaman loco por lo que hago
Pero no huelen la fragancia
La fragancia embriagadora de nuestro amor
No sienten el sonido
El sonido de los sordos lamentos que suben hacia arriba
No tocan la sangre
La sangre que es única, pero tuya y mía a la vez
La sangre que en el crepúsculo forma un mar hacia el horizonte
Siento mis pies, tocando el fondo
Pero, sabes, mi planta nunca te tocaba
Cómo pues podría descubrir
Lo que se esconde ante mis fieles ojos?
Mis lágrimas se mezclan con la sangre
Y sin sonido alguno se convierten en ella

Oh, exclusivo tesoro mío
Nunca te he querido como lo hago ahora
En el crepúsculo que cubre el mundo de verdades
Y crea un universo de sentimientos
Dicen que ese mismo universo me mate
Que los fuertes superen lo pasado
Pero yo, no soy fuerte
Sigo amando tu pelo largo
Tus pensamientos finos, tus ojos radiantes
Tu sonrisa de
En el crepúsculo que es
El último consuelo de los tristes amantes

Dienstag, 17. August 2010

Offensive oder Defensive?

Über viele Jahre war ich der festen Meinung, dass wohl in jeder Mannschaft eine gewisse Stimmigkeit zwischen Offensive und Defensive herrschen müsse, dass aber doch eine offensivstarke Mannschaft stets über eine in der Defensive meisterhaft spielende Mannschaft die Oberhand behalten werde, wenn das Spiel denn erwartungsgemäß verlaufe. Solange man nämlich das Spiel in der Hälfte des Gegners laufen zu lassen imstande ist, solange das gegnerische Mittelfeld selbst damit beschäftigt ist, die eigene Kreativabteilung zu neutralisieren, könne jene Mannschaft nicht gefährlich werden. Mit dem heutigen Jahr habe ich angefangen, diese Überzeugung anzuzweifeln.

Nur von sehr wenigen Mannschaften war ich bisher dergestalt angetan, als von jener wahrhaft meisterhaften Inter, die heuer in eindrucksvoller Art und Weise La Tripletta errungen hat. Die Darbietungen gegen Barcelona und Bayern München waren unfassbar und spektakulär. Die Defensive der Pazzi geriet zu einem unüberwindlichen Wall. Da war die Innenverteidigung mit Lúcio, der energischen Naturgewalt mit atemberaubender Ruhe und Übersicht, sowie Samuel, »El Muro«, der beinharte Verteidiger mit überragendem Kopfballspiel, unvergleichlichen Organisator-Fähigkeiten und feinster Klinge beim Herausspielen. Da waren die Außenverteidiger Maicon, die fleißige und geschickte Dampfwalze, »El Capitán« Zanetti, der alles überragende und ewige Geist der Nerazzurri, unaufhaltsam in der Offensive, fehlerfrei und beherzt in der Defensive, das wahre Herz der Mannschaft, auch Chivu, der mutige und entschlossene Rumäne mit dem feinen linken Fuß und dem verschmitzten Lächeln. Da war das defensive Mittelfeld mit Cambiasso »El Cuchu«, dem bissigen Köter, der nicht nur beißt und rennt, wie es sich für den Hund ziemt, der vielmehr auch den langen wie den Kurzen Pass zu spielen weiß, der die Lücken wähnt, ehe sie sich öffnen, mit Motta, dem technisch beschlagenen Laufwunder, dem gegen Barça das typische Tätlichkeits-Unglück wiederfuhr, mit Stanković, dem genialen Serben, der Kampfkraft mit Übersicht und Technik paart. Da waren die Offensivspieler wie der pfeilschnelle und fleißige Eto'o, Sneijder, der jede Art von Pass, den ihm seine blühende Fantasie aufträgt, locker aus dem Fußgelenk schüttelt, sowie Pandev, der nicht minder fleißige und schussgewaltige Mazedonier. Und, da war die tödliche Spitze, die Krone der Mannschaft, die pfeilschnelle und unbezähmbare punta der Inter. Diego Milito, ein Spieler ohne Schwächen. Kompromisslos in den schmerzhaften Niederungen des Strafraums, unwiderstehlich am Weg dorthin. Eine nicht zu bannende Gefahr. Diese Ansammlung wundervoller Individualisten formte der Künstler José Mourinho zu einer unüberwindbaren Legion zusammen. Der Abwehrblock formte sich zu einem Atombunker, der schlichtweg nicht zu durchdringen war, in einem Radius von 20 m rund um das Tor, blieben den Gegnern noch nicht einmal 50 cm² freien Raumes, die es erlaubten, zumindest den Ball dorthin zu spielen. Hohe Bälle wurden postwendend zum gefundenen Fressen für Lúcio oder Samuel, flüssiges Kombinationsspiel in den Strafraum wurde angesichts der massiven Deckung desselben zu einem unmöglichen Unterfangen. Die gigantischen Weiten des Sechzehnmeter-Raumes schrumpften für die Offensivspieler auf die Dimension einer Bananenschachtel. Freilich: nur sehr wenige Mannschaften (man kann sie gewiss an einer Hand abzählen) vermögen, dergestalt zu verteidigen und es steht außer Frage, ein Fehler kann der entscheidende sein, der die Mannschaft trotz all der Defensivkünste ins Verderben stürzt. Doch, nahe der Perfektion ausgeführt, scheint dieses Spiel unbesiegbar. Natürlich muss man einräumen, dass es auch Not tut, nahe der Perfektion zu spielen (als vielfach auch vom FC Barcelona, nur eben was die Offensive betrifft behauptet) und viele Mannschaften haben sich in ähnlichem Spiel versucht und sind kläglich gescheitert. Auch, vielleicht selbst gerade, auf das Verteidigen und Kontern muss man sich verstehen... Schönere Beispiele hierfür haben wir nie gesehen. Undurchdringlich die Verteidigung, kreativ, schnell und kompromisslos die Offensive, die die Räume gnadenlos nützt, die sich ergeben. So spielte Inter. Und so spielten viele Vereine nicht, die es in gleicher Weise versuchten. Dort allein war dieses Spiel Harakiri. Wenn sich löchrige Verteidigungen an einer Abwehrschlacht versuchen, endet das in der Regel in der Vernichtung. Die gut gemeinte Absicht, einen schnellen Konterstürmer an die Mittellinie zu stellen führt normalerweise zu dessen totaler Isolation. Allein ist in diesen Fällen — als Inter bewiesen hat — nicht die Strategie schuld, denn vielmehr deren Umsetzung.

Die Arbeit der Verteidigung kennt fast keine Grenzen. Wenn sie die Räume fischdosenartig eng macht, gibt es für die gegnerische Mannschaft fast keine Möglichkeit zu reüssieren. Die Arbeit der Offensive hingegen kennt ihre Grenzen. Wenn schlichtweg kein Raum da ist, um kombinieren zu können, wenn auch die besten Flanken zur Beute der Verteidigung werden, wenn jeder Versuch eines Dribblings dazu verurteilt ist, sich im Gewirr der Beine zu verlieren, gibt es keine Struktur, die zur Überwindung der Abwehr führt...

Es sei denn, man verfügt über die Mittel, das Angriffsspiel zu variieren. Ich vermeine, Barcelona sei mit seinem Kombinationsfußball dergestalt erfolgreich durch die gegnerischen Verteidigungen gebraust, dass von Variation gar nie die Rede war. Es gibt nur ein Programm, und wenn dieses Programm nicht funktioniert, besteht die einzige Kur vermeintlich darin, dieses Programm weiter zu perfektionieren, anstatt zu alternieren... Hinzu kommt, im Falle des FC Barcelona auch noch der interessante Umstand, dass trotz all der Qualität in der Mannschaft kein Freistoßschütze anzutreffen ist, dessen Künste das Prädikat bescheiden überschreiten kann. Xavi kann wohl zentimetergenaue Pässe über 40 m schlagen, allein macht ihn das nicht zu einem guten Freistoßschützen.

Genau hier führe ich jetzt die Umstände an, die mich zum fast in der Charakterisierung der Grenzenlosigkeit der Abwehrarbeit bewogen haben. Denn auch trotz allerfeinster Verteidigung, wird man es nicht verhindern können, dass die gegnerische Mannschaft einmal von 20-30 m zum Schuss kommt. Diese kleine Lücke im Verteidigungsspiel, die kaum ganz auszufüllen ist, kann der große Fehler im einschlägigen System sein.

Ich zweifle.

Privatisierung — ein Schock?

In vielen Gemeinden Österreichs sieht man sich nunmehr geradezu schockiert dem Entschluss gegenübergestellt, dass kleinere Postämter geschlossen werden, schlicht weil sie nicht mehr rentabel sind. Dieser Umstand rief freilich heftige Polemiken und Unmut hervor. Zu Recht sehen sich die Bürger in ihrem Anrecht auf Infrastruktur beschnitten, auch die Bürgermeister sehen sich veranlasst, als Anwälte der Bevölkerung aufzutreten und für deren Bedürfnisse einzutreten.

Wenn der Sachverhalt nicht so traurig und besorgniserregend wäre, so könnte man es durchaus als amüsant bezeichnen, dass der Gutteil dieser Gemeinden traditionell von der ÖVP regiert wird und in vielen dieser Kommunen selbst Ergebnisse jenseits der 60% für die Volkspartei gewöhnlich sind. Paradox? Ja, denn wie keine andere Partei hat die ÖVP stets und mit aller Gewalt die neoliberale Doktrin vorangetrieben und jeglichen Wirtschaftszweig in staatlicher Hand zu privatisieren gesucht. Der Großteil der Privatisierungen, deren Folgen den gutgläubigen und — scheinbar — kurzsichtig naiven ÖVP-Wählern (und auch allen anderen) heute auf den Kopf fallen, wurde in der Zeit der rechts-rechten Koalition zwischen der ÖVP und der FPÖ realisiert. Leider wird auch das wunderschöne Beispiel der Postamt-Schließungen, provoziert durch (in der Privatwirtschaft) notwendig profitorientierter Kalkulation nicht dazu führen, dass die traditionell schwarze Wählerschaft an der Vernunft ihrer politischen Einschätzungen zu zweifeln beginnt, genauso wenig, als das die Wirtschaftskrise zu tun vermochte. Es scheint wiederum so zu sein, dass den in der Regierung befindlichen Parteien alle Mittel zur Verfügung stünden, vermöge derer sie eigene Fehler schlechterdings hinfortradieren können. Zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit Problemen und deren Ursache fehlt dem Durchschnittswähler ohnehin die Zeit und auch die Lust.

Mithin werden weitere Bereiche der Wirtschaft privatisiert werden und somit der Kalkulation von Angebot und Nachfrage unterworfen. Das Angebot wird den einschlägigen Gesetzen folgend radikalisiert werden, als an vielen Beispielen gerade passiert. Angebotene Dienstleistungen/Produkte sind entweder einträglich, werden einträglich gemacht (durch unbezahlbare Preise) oder gestrichen, losgelöst von der Überlegung, ob sie einzelnen Teilen der Volkswirtschaft Not tun. Vielleicht wird unsere Wirtschaft dereinst eine dergestalt progressive Ausformung erreichen, dass nur noch Eliten Zugang zu Bildung und Wasser haben, da ein breites Angebot schlicht nicht rentabel ist.

Mithin wird der kurzsichtige Krieg der Wirtschaft nicht durch einmütige Zusammenarbeit ersetzt, sondern vielmehr in derselben Weise fortgesetzt, als sie das Scheitern verursacht hat.

Montag, 26. April 2010

Rechts und Links

1. Wiederholt wird bei der Charakterisierung politischer Konzepte so verfahren, dass Rechts und Links gleichsam in denselben Topf geworfen werden. Es ist dann etwa von »Nährböden« die Rede, die rechten wie linken Extrema gleicherweise zuträglich seien. Oft wird überhaupt vom politischen Extremismus gesprochen, wobei auf eine nähere Differenzierung verzichtet wird.

2. Allein ist es nicht möglich, diese Ideologien einer gemeinsamen Anschauung zuzuführen. Es sind nicht Extrema, die sich an ihren Enden, gleich einem Ring, wieder annähern, es sind vielmehr vollends entgegengesetzte Konzepte, die allenfalls in der Wahl ihrer Mittel zuweilen und vorübergehend verglichen werden können.

3. Nun ist es selbstredend so, dass die Hinordnung zu einer Ideologie (nicht notwendig zu einer »extremen«) bis zu einem gewissen Grad nicht rationeller, wissenschaftlicher Natur ist. Sie hat zu tun mit der persönlichen Lebensgeschichte des Einzelnen, mit seinem Charakter, mit Präferenzen und Aversionen. Es sind viele kleine Einflüsse, die eine politische Auffassung ausbilden. Erst dann wird argumentiert. Es ist folglich nicht unmittelbar so, dass es Konzepte gibt, die vollends richtig sind und andere, die ohne Schwierigkeit vollkommen widerlegt werden könnten — es verbleibt immer eine emotionale Komponente, ein Verdacht, ein Dafürhalten, das entscheidet.

4. Gleichwohl kann auch auf rationaler Ebene agiert werden. Und hierin offenbart sich uns schon die ganz große Diskrepanz, die zwischen den rechten und den linken Ideen klafft. In der faschistischen Ideologie sind Hass, Unter- und Überordnung, Dominanz sowie Unterdrückung, Herrschen wie Unterwerfen einzementierte Werte. Sie sind Inhalt der sogenannten faschistischen Ideale. Allein kann ein Konzept nicht funktionieren, wenn es auf Unterdrückung, Hass und Dominanz selbst aufbaut.

5. Eben diese Grundlagen zu zerstören, sind die kommunistischen und sozialistischen Ideen da. Der ideale kommunistische Staat (den es gleichwohl so nie gegeben hat), kennt keine Unterdrückung, keine Über- und Unterordnung mehr. Es gibt keine Ausbeuter und keine Ausgebeuteten. Der große Geist ist die einmütige Organisation, nicht der dualistische Kampf. Unterdrückung, Diskriminierung, Feindschaft werden ewig durch Feindschaft repliziert werden. Wo dieselbe der alles durchdringende Geist ist, wird sie auch nur sich selbst wiederfinden. Schon daran, ein funktionierendes Konzept anzubieten, scheitert der Faschismus.

6. Hinzu kommt (unter vielen Beispielen) noch, dass der Kommunismus per definitionem ein Internationalismus ist, der besser funktioniert, je internationaler er ist. Einzelne sozialistische Systeme werden von der politischen Weltmacht aufgerieben, ausgehungert und in vielen Fällen zu repressiven Staaten. Je mehr Staaten sich die Ideen aneignen, desto besser kann gewirtschaftet werden. Es gibt nicht mehr Millionen von kleinen Zellen, die für sich kämpfen, sondern immer mehr eine Zelle, die nicht mehr zu kämpfen braucht. Rechte Gedanken ziehen sich schon dadurch selbst ins Absurde, dass sie in einer starken nationalistischen Prägung auftreten. Es geht dann um die »Erhaltung von Heimat, Kultur und Tradition«, die von fremden Einflüssen gefährdet sei. Und doch scheinen sich rechte Kreise auch über nationale Grenzen zu bilden. Schon Hitler musste wohl oder übel mit den »Südländern« Italiens kollaborieren, so sehr er auch die Überlegenheit der »deutschen Rasse« propagierte… Eine internationale Organisierung rechter Gruppen wird schon per se widersprüchlich und zu einer grotesken Farce.

7. Es sind die Gedanken der politischen Rechten kurzum auf einer naiven Engstirnigkeit aufgebaut, die ihre Augen vor den Schönheiten der Welt verschließt und über die brodelnde Giftbrühe, die von jenen wie solchen Systemen zubereitet wurde, den Deckel der Gewalt breiten will. Die Welt nicht heilen, nur beherrschen will.

Samstag, 3. April 2010

SILVESTRA

Die Stimmung ist eigentlich wie vor dem Spiel. Mit dem kleinen Unterschied, dass wir aus dieser äußerst großen Minimalchance, minimaler geht’s gar nicht mehr, eine etwas kleinere gemacht haben, die größer geworden ist.
— Peter Neururer
Silvestra, die Wunderschöne und Unvergleichliche, wusste von keinem Abfalleimer auf ihrer Lieblingsbirke, als allein den, den sie »Anton Petrus Friedrich Abel XXVI.« zu nennen pflegte. Mit Anton Petrus Friedrich Abel XXVI., allein, unterhielt Silvestra, die Wunderschöne und Unvergleichliche, eine bessere Freundschaft als zu allen anderen Abfalleimern auf allen anderen Birken (was wenig verwunderte, hatte die Katze Minka Mariza ihre Lieblingseidechse Sonja doch hin und wieder vor der verheerenden Wirkung von Wattebällchen gewarnt). Jedenfalls bezeichnete Silvestra, die Wunderschöne und Unvergleichliche, das faszinierende Phänomen vom Wind verwehter Federhalter zuweilen als »Mrikurelkilikutze«. Die auf dem ersten Blick eindeutig scheinende Etymologie des Ausdruckes verliert an Klarheit, wenn man sich erinnerlich macht, dass Silvestra, die Wunderschöne und Unvergleichliche, mit dem südfriesischen Kulturgut nur mäßig vertraut ist, zumal sie mindestens zwei Schuhe bindet, wenn sie ohne Stiletti ihr Haus verlässt. Aber kommen wir wieder zurück zu Alfreds Dudelsack: Laut dem vertrauenswürdigen Urteil einiger zufällig vorbeigekommener Neuseeländischer Touristen deuten die Krallen- und Bissspuren auf der Wasseroberfläche eindeutig auf die Beteiligung einer Waldschnecke hin. Silvestra, die Wunderschöne und Unvergleichliche, hatte aber bereits seit einigen Minuten eine unerklärliche Angst vor Betonmischern und Schmetterlingen entwickelt, weshalb sie lieber nicht schwimmen gehen wollte. Maximilian, der Feldhase beobachtete alles aus einer unsicheren Entfernung.

(Aus dem Buch »Darlegungen des Feigenkaktusses«, Kapitel 1971: Was Meinhard Meineid zu erzählen nie für notwendig hielt).




Auch der Schnee hat Geschmack...